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Analyse und Selbstbau von Kleinmotoren


Aufgabe

Verlustquellen

Motorbauarten

Das Betriebsverhalten eines Motors

Existierende Motore

Selbstbau von Motoren

 

Aufgabe
Motore haben die Aufgabe, elektrische Leistung möglichst verlustfrei in mechanische Leistung umzusetzen. Verluste entstehen durch die Lagerreibung, die Bürstenreibung, den Anschlusswiderstand und Wirbelstromverluste in den Eisenpaketen. Um einen hohen Wirkungsgrad zu erzielen, muss man sie möglichst klein halten.

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Diskussion der Verlustquellen
Die Lagerreibung entsteht durch die Bewegung der Welle in einer zähen Flüssigkeit. Je kleiner der Lagerspalt, um so höher die Reibung. Das Reibmoment wächst meistens linear mit der Drehzahl. Der wichtigste Parameter ist aber der Durchmesser. Er sollte möglichst klein sein. Die Untergrenze hängt von der Belastung ab. Ganz schlimm sind da natürlich die Motore dran, die als Vibratoren in Handys eingesetzt werden. Sie müssen eine ziemlich dicke Achse haben, um der Unwucht Stand zu halten. Eine weitere Grenze ergibt sich aus der Unwucht des Motors. Die Fliehkräfte, die bei hoher Drehzahl auf den Anker wirken, sind enorm. Eine mechanische Unwucht führt zu hohen Kräften. Deshalb sollte man Kleinmotore auch nicht fest einspannen sondern frei lagern. Dann bewegt sich der Anker um seine Trägheitsachse und kann frei „fliegen“.
Man kann natürlich statt der Gleitlager auch Kugellager einsetzen. Sie sind jedoch nicht besser als Gleitlager mit kleinen Durchmessern. Ein 3mm Kugellager ist nicht besser als eine 0,8mm Achse.
Die Bürstenreibung ergibt sich durch die trockene Reibung zwischen dem Kommutator und den Bürsten über den Anpressdruck und den Durchmesser. Es ist klar, dass man hier limitiert ist. Der Druck muss groß genug sein, dass man den Strom ohne Bürstenfeuer rüberbringt. Den Durchmesser kann man nicht beliebig klein machen, insbesondere bei vielen Polen, wegen der notwendigen Fertigungsgenauigkeit. Das Reibmoment ist konstant und spiegelt sich im Leelaufstrom bei sehr geringer Drehzahl wider.
Die Verluste durch den Innenwiderstand, die ohmschen Verluste, kann man kaum beeinflussen. Sie ergeben sich bei der Auslegung aus der Geometrie und dem besten Material, Kupfer.
Wirbelstromverluste entstehen in den Blechpaketen von Ankern, die sich in einem Magnetfeld bewegen. Je dünner die gegeneinander isolierten Bleche sind, um so kleiner sind die Verluste. Hier ergibt sich eine Grenze durch die Dicke der Isolierschicht im Vergleich zur Blechdicke.

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Motorbauarten
Hier soll nicht auf alle möglichen Motorvarianten eingegangen werden. Es werden nur Motore mit Permanentmagneten analysiert.
Grundsätzlich erzeugt man ein Magnetfeld, in dem eine Spule rotiert. Der Magnetkreis besteht aus einem Permanentmagnet, einem Eisenkreis und zwei Luftspalten.
Bei einem Glockenankermotor befindet sich der Magnet fest in der Mitte. Darüber rotiert eine Zylinderspule. Der Magnetkreis wird über einen Eisenzylinder geschlossen.
Bei diesen Motoren ist der Luftspalt ziemlich groß, weil die komplette Spule hineinpassen muss. Bei der anderen für uns wichtigen Bauart befindet sich der Magnet außen. Die Spule wird auf ein Blechpaket gewickelt. Der Luftspalt ist ziemlich klein. Dafür liegt die Spule weiter innen und ist nicht mehr so wirksam. Außerdem treten im rotierenden Anker Wirbelstromverluste auf.
Um die Effizienz zu erklären sei auf die Formel M = B*I*w*F verwiesen. Das Drehmoment ist das Produkt aus der magnetischen Induktion, dem Strom, der Windungszahl und der von der Spule eingeschlossenen Fläche. M/I = B*w*F ist die Drehmomentkonstante. Sie wird fast immer in den Datenblättern von Motoren angegeben. Sie ist eine Baukonstante.
Bei einem komplett geschlossenem Magnetkreis ohne Luftspalte erreichen moderne Magnete (Neodym) 1 T. Durch die endliche Größe des Luftspalts liegen Glockenankermotore nur bei 0,2 bis 0,4 T. Daran kann man den Einfluss des Luftspalts erkennen.

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Das Betriebsverhalten eines Motors
Fangen wir bei Spannung 0 an und drehen sie langsam nach oben, bis der Motor das Drehen anfängt. Jetzt nimmt er den Leerlaufstrom auf. Er überwindet jetzt das Bürstenmoment und sonstige kleine Haltemomente. Wenn man die DMK aus dem Datenblatt hat, kann man das Bürstenmoment berechnen. Mb = I*DMK. In diesem Zustand ist die notwendige Spannung U = I*R, wobei R den Anschlusswiderstand bedeutet. Ist die Spannung höher als dieser Wert, dreht der Motor schon zu schnell und induziert eine Gegenspannung.
Jetzt drehen wir die Spannung höher. Die Drehzahl nimmt schnell zu, der Strom jedoch nur wenig.Der Strom ist immer noch das Maß für das Drehmoment. Das was man jetzt an Zuwachs sieht, ist die Lagerreibung bzw. entsteht durch die Wirbelstromverluste. Wieder gilt U = I*R. Diese Spannung braucht man, um den Strom durch den Motor zu schieben. Die Spannungsdifferenz zu der angelegten Spannung ist ein Maß für die Drehzahl, die Gegenspannung. EMK = (Uo –Ur)/n. Dies ist die Gegenspannungskonstante, meist angegeben in V/1000Upm. Die DMK ist mit der EMK physikalisch verknüpft. In Realität ist EMK = 1/DMK. Nur die Einheiten sind verschieden.
Wenn man bei einem Motor die Leelaufkennlinie aufnimmt und U,I und n misst und zusätzlich den Anschlusswiderstand kennt, kann man sein gesamtes Kennfeld berechnen. Meistens hapert es an der Drehzahlmessung. Wenn man einen Oszillator hat, kann man sich die Wechselspannungskomponente anschauen. Man liest die Zeit ab, die ein Umlauf beansprucht. Dazu muss man die Polzahl kennen. Bei 3 Polen muss man 6 Buckel nehmen, bei 5 entsprechend 10.
Wenn man ein Datenblatt hat, braucht man das alles nicht.
Wir belasten jetzt den Motor z. B. mit einem Propeller. Wir stellen eine Spannung ein und lassen ihn laufen. Zuerst berechnen wir die Eingangsleistung Nein = U*I. Dann berechnen wir die Nutzspannung Un = U –I*R. Anschließend berechnen wir den Leelaufstrom Il = Io + n di/dn, d.h. den Leerlaufstrom bei der Drehzahl. Oder wir haben ihn vorher gemessen. Wir ziehen ihn vom Betriebsstrom ab und erhalten so den Nutzstrom In. Demnach ist die Nutzleistung Nn = Un*In und der Wirkungsgrad eta = Nn/Nein.
Mit diesen doch recht einfachen Formeln kann man immer überprüfen, ob das gesteckte Ziel erreicht wurde. Meistens will man den maximalen Wirkungsgrad erreichen, oder aber man will die maximale Leistung rausziehen (was immer zu einem Wirkungsgrad unter 50% führt).

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Existierende Motore
Nachfolgend ist eine Tabelle mit einigen für uns bedeutsame Motore gezeigt. Darin sind auch Maximalwerte angegeben. Die ersten 5 Motore sind Bürstenmotore von Mikroantriebe. Der Namiki Motor und der Faulhaber Motor sind bürstenlos. Der Namiki Motor hat ein Planetengetriebe mit einer 4,3:1 Untersetzung.

Typ

 

408

411

610

615

716

Namiki

Faulh.

Durchmesser

mm

4

4

6

6

7

2,4

1,9

Länge

mm

8

11

10

15

16

8,5

5,5

Achsdurchm.

mm

0,6

0,7

0,8

0,8

0,8

0,5

0,24

Masse

g

0,47

0,61

1,0

1,9

2,5

0,19

0,091

Nennwerte

               

Spannung

V

1,3

1,3

1,3

1,3

2

3

0,5

Drehzahl

n

25000

25000

16000

11000

16000

12000

 

Anlaufmoment

µNm

24

29

60

100

350

17

 

Leerlaufstrom

mA

43

25

22

17

20

12

 

Max. zul.Werte

               

Dauerstrom

mA

150

150

250

250

300

 

150

Drehmoment

µNm

35

50

150

240

320

   

Spannung

V

3

3

3

3

5

   

Parameter

               

EMK

V/1000

Upm

0,031

0,038

0,0662

0,105

0,116

0,14

0,003

DMK

mNm/A

0,296

0,365

0,637

1

1,108

1,1

 

Widerstand

Ohm

11,8

14,4

11,7

11

6

110

7,2

Leerlaufstrom,n=0

mA

29

12

17

10

10

   

Ändg. Leerlaufstr.

mA/Upm

5,5e-4

4,8e-5

3,4e-4

5,5e-6

6,2e-4

   

Wodurch gehen Kleinmotore kaputt? Sie können zu heiß werden. Der Unterschied in der eingegeben Leistung und der Nutzleistung ist die Verlustleistung, die zu eine Aufheizung des Motors führt. Das spürt man, wenn man sich die Finger verbrennt. Es passiert meistens, wenn man den Motor blockiert. Bei hohen Strömen und hohen Spannungen tritt Bürstenfeuer auf, was zu einer rasanten Abnutzung der Bürsten führt. Das kann natürlich bei bürstenlosen Motoren nicht passieren. Deshalb kann man sie normalerweise auch sehr hoch belasten, insbesondere bei hohen Drehzahlen.

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Selbstbau von Motoren
Es wird hier nur ein Einphasenmotor in einfachster Bauweise beschrieben.
Gehen wir noch mal zu den Glockenankermotoren zurück. Sie haben große Luftspalte und deshalb nur sehr kleine magnetische Induktion. Lässt man den äußeren Eisenmantel weg, verringert sich der Wert noch weiter, etwa auf die Hälfte. Man hat also nur noch das halbe Drehmoment, aber den Eisenmantel gespart. Das Gewicht stecken wir nun in zusätzliche Windungen und erhöhen so wieder das Drehmoment bei gleichzeitiger Anpassung der Drahtstärke an die Versorgungsspannung. Das hebt sich dann in etwa wieder auf. Nach außen ist jetzt das Magnetfeld nicht mehr abgeschirmt. Das ist ein Vorteil. Wir halten jetzt die Spule fest und lassen den Magneten rotieren. Es gibt keine Bürsten mehr und auch keine Eisenverluste. Es bleibt nur noch der Innenwiderstand und die Lagerreibung. Das Magnetfeld können wir mit einem Hallschalter messen und so die Spule in einer Brückenschaltung umschalten. Fertig ist der neue Motor.
Da er nur eine Spule hat, hat sein Moment 2 Nullstellen. Er läuft also nicht garantiert von alleine an. Aber als Antrieb für ein Flugmodell ist er gut geeignet, weil die Trägheit des Props so groß ist. Er läuft praktisch immer von alleine an.
Man kann natürlich noch mehr Spulen vorsehen und mehrfach pro Umlauf umschalten. Aber das sprengt den Rahmen dieser Analyse und erhöht die Komplexität der Ansteuerung, ist aber noch leicht machbar. Die übliche Ansteuerung für die bürstenlosen Motore kann angepasst werden.
Jetzt legen wir einen Motor aus. Der Magnet besteht aus einer Scheibe, die ich von einem langen Anker mit der Trennscheibe abgeschnitten habe. Die anhaftenden Partikel habe ich mit einem Tesastreifen abgenommen. Der Magnet hat 5mm Durchmesser und ist 2mm lang. Die zugehörige Spule hat 200 Windungen und ist aus 80µm Draht hergestellt. Innen hat sie die Abmessungen 5,4x2,4mm, außen 6x3mm. Die mittlere Windungslänge ist also 16,8mm. Der Draht hat demnach eine Länge von 3,36m. Mit einem spezifischen Widerstand von 4,3Ohm pro Meter erhält man einen Spulenwiderstand von 18,5Ohm. Damit kann man die Drehmomentkonstante ermitteln:
DMK = B*w*F = 0,25* 200*15,5e-6 = 0,775mNm/A und EMK = 0,104*DMK = 0,08V/1000Upm.
Die magnetische Induktion von 0,25T ist ein Erfahrungswert aus ähnlichen Aufbauten.
Die Spule wiegt 154mg, der Anker etwa 250mg. Jetzt brauchen wir noch die Lager.
Faulhaber gibt für seinen 0,1g Motor bei 100.000 Upm ein Reibmoment von 2,5µNm an bei einem Achsdurchmesser von 0,24mm. Wir wollen unseren Motor auf einer 0,5mm Achse lagern, d.h. beim doppelten Durchmesser. Die Theorie sagt, dass das Reibmoment mit der 3. Potenz des Durchmessers steigt. Also müssen wir 20µNm bei 1e5Upm ansetzen. Die Drehzahl geht etwa linear ein. Bei 10.000 Upm hat man also etwa 2µNm. Meine Erfahrung sagt, dass der Wert eher zu hoch ist. Welche Leistung braucht der Motor im Leerlauf bei 17.000Upm? Das Reibmoment liegt bei 3,4µNm. Nr = Mr*Pi()*n/30 = 6,05mW. Genau diesen Wert habe ich gemessen, was natürlich ein Zufall sein kann. Auf jeden Fall ist die richtige Größenordnung getroffen.
Was kann dieser Motor an einer Lipo Zelle d.h. bei 3,5V leisten?
Der Kurzschlussstrom beträgt 189mA. Das Drehmoment ist dann 147µNm. Wie groß ist die Leerlaufdrehzahl? Nehmen wir mal 100.000 Upm an. Dann ist das Moment 20µNm und der Strom 26mA. Die Spannung an der Spule ist 0,48V. Die Gegenspannung ist 8V, d.h. die angenommene Drehzahl ist viel zu hoch. Da die Reibung so klein ist, kann man auch einfach sagen n = U/EMK = 43750Upm. Also real etwa 40.000Upm.
Will man möglichst viel Leistung rausholen, sollte man den Motor etwa bei halber Leerlaufdrehzahl betreiben, also bei 20.000. Die Gegenspannung ist dann 1,6V. Es verbleiben 1,9V. Der Strom wird also 103mA und das Drehmoment 80µNm. Das Reibmoment ist abzuziehen. Es verbleiben 76µNm Die Nutzleistung ist Nn = M*pi()*n/30 = 154mW. Die Eingangsleistung ist 361mW und damit wird der Wirkungsgrad 42,7%!
Zum Vergleich sei hier der 4x8 Motor gebracht. Um 154mW aus 3,5V herauszuholen braucht man etwa 520mW, also 44% mehr! Unser Motor wiegt etwa genau so viel wie der 4x8 Motor: 470mg.
Dies war nur eine Beispielrechnung. Man kann noch mehr Leistung rausholen, wenn man die Spule mit einem anderen Draht wickelt. Die Obergrenze ergibt sich nur aus der thermischen Belastung. Um dies zu demonstrieren, wird der Motor an der doppelten Spannung, d.h. bei 7V betrieben. Jetzt erreicht er ca. 80.000 Upm im Leerlauf. Wir errechnen die Leistung , wenn er mit 40.000 Upm dreht. Die Gegenspannung ist 3,2 V, der Strom demnach 205mA. Das Reibmoment ist 8µNm, was 10,3mA entspricht. Die Nutzleistung ist also Nn = 195*3,2 = 624mW, die elektrische Eingangsleistung 1435mW und der Wirkungsgrad 43,5%. Die Verlustleistung von 811mW muss von der Spule und den Lagern abgegeben werden. Ob das noch geht, muss man ausprobieren. Betreibt man den Motor bei 60.000 Upm, werden die entsprechenden Werte 4,8V, 119mA, 12µNm, 15,5mA, 497mW, 833mW und 59,7%! Bei etwas höheren Drehzahlen erzielt man noch bessere Wirkungsgrade bei etwas geringerer Nutzleistung. Allerdings sinkt das Nutzmoment. Man muss dann hohe Untersetzungen im Getriebe vorsehen.
Wie wird der Motor aufgebaut? Die Spule wird in einer mit Trennlack beschichteten Form gewickelt, getränkt und ausgehärtet. Dann werden zwei Lagerröhrchen abgetrennt und entgratet. Sie werden auf die Achse des Ankers gesteckt. Diese Einheit wird in die Spule gelegt und eingeklebt. Man muss darauf achten, dass der Anker frei läuft und axial kaum Spiel hat, weil er sonst schlägt. Damit niedrige Reibwerte erzielt werden, wird der Motor während des Aushärtens bei einer mäßigen Drehzahl betrieben.
Nach dem Aushärten wird alles gereinigt, am besten in einem Ultraschallbad mit Spiritus. Dann werden die Lager mit Nähmaschinenöl geschmiert. Wenn man den Motor frei aufhängt, sollte er die oben errechnete Drehzahl leicht erreichen. Wichtig ist, dass die geometrische Unwucht bzw. der Versatz zwischen der geometrischen und der Trägheitsachse hinreichend klein ist. Der Versatz sollte deutlich kleiner als das Lagerspiel sein.
Wenn man ein Getriebe anbaut, sollte es geometrisch starr mit dem Motor verbunden sein. Die gesamte Einheit ist frei schwingend zu lagern, sonst schafft man den hohen Wirkungsgrad nicht. Der Motor eiert dann im Lager und schwimmt nicht mehr.

Author: Helmut Schweig

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