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Störungen von HF-Empfängern im Mikromodellbau



Eine detaillierte Beschreibung von Helmut Schweig:



Einführung
Der Empfänger in einer Fernsteuerung nimmt die Signale mit der Antenne auf, filtert, verstärkt, demoduliert und dekodiert sie. Die Signale stehen anschließend an den Steckern für die diversen Verbraucher bereit.
Die Eingangssignale, die noch zu brauchbaren Ausgangssignalen führen sollen, sind sehr schwach, typisch 1µV, während die Ausgangssignale bei 3 bis 4V liegen. Man muss die Signale also millionenfach verstärken!


Störungen über die Antenne
Die Antenne nimmt alles auf, was im Äther herumschwirrt. Hängt man eine Antenne an ein Messgerät und fährt die Frequenzen durch, so sieht man Spannungen bis zu 0,4V. Es handelt sich in diesem Fall um die 50Hz von unserer Stromversorgung im Haus (den berüchtigten „Brumm“). Aber auch die örtlichen Sender können Spannungen von vielen mV erzeugen. Aus diesem Schmutz muss der Empfänger unser schwaches Signal herausfinden.
Das macht man mit Filtern. Sie lassen nur die Sollfrequenz durch plus/minus eine kleine Bandbreite. Ein einstufiges Filter kann allen Schmutz maximal um den Faktor 100 unterdrücken. Das reicht i.a. für die örtlichen Sender, aber keineswegs um andere Fernsteuersender zu unterdrücken. Man braucht also mehrstufige Filter, mindestens 3 in Serie. Und jetzt kommt der wichtige Punkt. Wenn man nach dem 3stufigen Filter eine Leitung = Antenne von wenigen mm hat, bekommt man wieder viel Schmutz rein. Beispiel: die Empfangsantenne ist 20cm lang, die Leitung 2mm. Das bedeutet, dass man ca. 1 Hunderstel des Schmutzes wieder aufnimmt, obwohl man vorher um 1 Million den Schmutz unterdrückt hat. Man muss also dafür sorgen, dass das Filter mit der Leitung abgeschirmt wird.
Was macht man in der Praxis? Man verwendet ein erstes Filter (Eingangskreis) und verstärkt dann kräftig. Damit hebt man das Spannungsniveau über den Schmutz. Die neuerliche Störung wirkt sich dann nicht mehr so stark aus. Danach kommt das nächste Filter (ZF- Filter) und wieder ein kräftige Verstärkung. So schafft man die nötige Dämpfung der Störsignale.

Der Aufbau der diversen Empfänger ist zwar ähnlich, aber im Detail doch unterschiedlich. Empfänger für dem Mikromodellbau sollen klein und leicht sein. Also wird oft an verschiedenen Ecken gespart. Sie liegen manchmal in der Störungsdämpfung um den Faktor 100 unter den besten Empfängern für Flugmodelle. Das reicht aber immer noch meistens aus, weil im Mikromodellbau mit Standardsendern nur über Distanzen unter 100m gearbeitet wird.
Treten (trotz Einsatz eines großen Akkus) Störungen auf, hilft eine ziemlich dicht schließende metallische Abschirmung (Al Folie) um den Empfänger, die geerdet, d.h. an den Minuspol angeschlossen werden muss. Wenn das nicht hilft, muss man die äußeren Störquellen beseitigen.


Störungen durch Spannungseinbrüche
Empfänger können je nach Aufbau spannungsempfindlich sein. Die Empfängerchips haben i.a. eine Spannungsstabilisierung, die Spannungen oberhalb eines bestimmten Wertes abschneidet. Der nachfolgende Dekoder ist meistens nicht stabilisiert und deshalb u.U. empfindlich. Manche Empfänger haben grundsätzlich eine vorgeschaltete Spannungsstabilisierung und sind deshalb unempfindlich gegen Spannungsschwankungen. Leider kann man keine allgemeingültige Regel aufstellen. Moderne Chips arbeiten bei geringem Spannungsniveau und werden deshalb nicht von den üblichen Spannungseinbrüchen berührt, ältere schneiden bereits bei 4V ab. Man betreibt am besten den Empfänger vor dem Einbau an einem Netzgerät und schaut, ab wann er schlecht arbeitet. Man muss dann bei Betrieb im Modell garantieren, dass diese Spannung nie unterschritten wird, d.h. auch nicht im Pulsbetrieb.


Vermeidung von Spannungseinbrüchen
Spannungseinbrüche entstehen durch den Innenwiderstand des Akkus und der Leitungen, wenn plötzlich ein hoher Strom gezogen wird. Der Hauptverbraucher ist meist der Antriebsmotor. Er wird vom Fahrtregler gepulst, d.h. man hat immer starke Stromstöße und dadurch Spannungseinbrüche im gesamten System. Beispiel: Der Motor zieht im Mittel 0,3A, d.h. typisch 0,6A als Spitzenwert. Der Innenwiderstand des Akkus ist 0,2Ohm, der der Leitungen mit dem Schalttransistor 0,4Ohm. Dann muss man mit 360mV Abfall bis zum Motor rechnen, aber nur mit 120mV innerhalb des Akkus. Man sollte den Empfänger mit einer separaten Leitung direkt an den Akku anschließen. Die 120mV kann man dämpfen, wenn man in die +Leitung des Empfängers eine kleinen Widerstand legt, z.B. 10Ohm. Dann schaltet man noch einen Kondensator zwischen die + und – Leitung. Hat der Regler eine Frequenz von 1 kHz muss man etwa 0,5ms überbrücken. Dazu braucht man einen Kondensator von etwa 50µF. Bei einem Verbrauch von 10mA hat man einen mittleren Spannungsabfall von 0,1V.
Regler, die mit einer niedrigen Frequenz arbeiten, können kaum überbrückt werden! Da hilft am besten eine kleine, separate Batterie (1,7g Lipo Zelle) für den Empfänger.
Die zuvor gezeigte Analyse geht davon aus, dass die Verbraucher vom Empfänger getrennt versorgt werden. Leider werden die Versorgungsleitungen üblicherweise durch den Empfänger geschleift, d.h. der gesamte Strom (0,6A statt 10mA) fließt direkt durch den Empfänger! Man kann den Empfänger praktisch nicht abblocken. Deshalb ist es ratsam, den Empfänger direkt an den Akku anzuschließen und die +Leitungen der Versorger an den Steckern abzutrennen und direkt am Akku anzuschließen. Noch sicherer ist die separate Batterie für den Empfänger.


Störungen durch selbsterzeugte Abstrahlungen
Alle Bauteile, die mit gepulstem Strom beaufschlagt werden, sind potenzielle Sender. Je höher die Frequenz, um so gefährlicher werden sie. Die Antenne sollte möglichst weit von diesen Störquellen entfernt eingebaut werden. Leider ist das im Mikromodellbau nur begrenzt möglich.
Am schlimmsten sind die nicht abgeschirmten Motore. Das Bürstenfeuer ist einigermaßen hochfrequent. Ein kleiner Kondensator zwischen den Anschlusspolen hilft. Die Motore werden zusätzlich vom Fahrtregler gepulst. Die Zuführungsleitungen vom Akku bis zum Motor senden. Verdrillen der Leitungen hilft sehr gut. Noch besser ist es, wenn man Koaxkabel einsetzt. Sie sind praktisch störungsfrei.

Kürzen der Antenne
Dieser Punkt hat zwar nichts direkt mit den Störungen zu tun, wird aber im Mikromodellbau immer wieder gefragt.
Bei sehr guten Geräten bildet die Antenne (= Induktivität) zusammen mit den parasitären Kondensatoren einen abgestimmten Schwingkreis. Kürzt man die Antenne, wird der Kreis verstimmt. Die Trennschärfe nimmt etwas ab, ebenso die Reichweite. Normalerweise spielt das keine Rolle, da man genügend Reserve hat. Es kann nur bei hochgezüchteten, d.h. schmalbandigen Eigenbauempfängern dazu führen, dass der Eingangskreis nachgetrimmt werden muss.


Elektrostatische Aufladung
Wenn das Modellfahrzeug sich durch ionisierte Luft bewegt, kann es zu Aufladungen kommen. Das kennt man vom Auto. Es entstehen hohe Spannungen, die sich schlagartig entladen können. Allerdings sind die Flächen im Mikromodellbau sehr klein und damit auch die Ladungen. Moderne Bauteile sind i.a. dagegen geschützt. Das ist kein Problem.



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