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Ju88


Ich war auf der Suche nach einem kleinen, günstigen Modellflieger – und dann habe ich im Schaufenster die Ju 88 gesehen…….und musste sie einfach haben. Zum günstigen Preis von 49,90 Euro hielt ich die Schachtel in Händen. Gut verpackt im Styroporbett lag sie da – gleichfalls aus Styropor, silber-grün lackiert mit riesigen aufgeklebten Balkenkreuzen und einer Kennung am Seitenleitwerk, die eher an einer F-14 Tomcat eine Berechtigung hat. Mit dabei ein Schraubendreher nebst Fahrwerksteilen, Ersatzluftschrauben, Akkus für Sender und Flugzeug, Ladegerät und natürlich der Sender selbst (der auch als Ladestation für den Flugakku dient). Diese Verpackung lässt sich auch als Transport-/Lagerbox verwenden.

Der Akku war bereits geladen, jedoch hatte ich noch eine Menge Termine an diesem Tag, so kam ich erst gegen 20.00 Uhr nach Hause. Hier war dann auch der Flieger flugklar gemacht worden um noch am Abend einen Flug machen zu können. Dazu wurden die Fahrwerksbeine lediglich in deren Einschübe gesteckt und der Akku zur Sicherheit noch mal nachgeladen. Dann ging es hinaus auf einen geteerten Feldweg, der mir in Absprache mit dem Landwirt als „Privat-Runway“ dient.

Beim ersten Start entschied ich mich zum Handstart, mittlerweile neige ich allerdings zum Bodenstart, denn nach 8 – 10 Metern Vollgas hebt die Ju 88 wunderbar ab. Also Vollgas und mit einem Schubs entgegen dem leichten abendlichen Wind entließ ich die Ju 88 in ihr Element. Sie stieg geradeaus schön nach oben weg. Gesteuert wird, wie bei diesen „Billigmodellen“ üblich, durch Reduktion der Drehzahl eines der Triebwerke zum Kurvenflug. Gestiegen wird durch „mehr“ Gas – Höhe hält man mit etwa ½ Gas – und den Sinkflug leitet man ein, indem man einfach das Gas „rausnimmt“. Dabei sollte man aber seinen Flieger immer gut im Auge behalten, denn ein einfaches Abfangen durch ziehen am Höhenruder geht hier nicht ! Hier gibt man Gas ! Auch wenn die Geschwindigkeit zu und die Höhe gelegentlich sehr schnell abnimmt……….es geht schon – Übung macht den Meister. Hat man sich dennoch mal verschätzt – das Styropor hält ziemlich viel aus. So hat auch meine Ju bereits die ein oder andere Beule in der Nase.

Der erste Flug war denn auch ein richtiger „Entspannungsflug“. Die Kurven fliegt man am besten, indem man kurze Steuerimpulse gibt – die Ju dreht dann mit leichter Schräglage auf den gewünschten Kurs ein und verliert kaum an Höhe. Jedoch aufgepaßt ! Nicht zu viel Gas beim Kurven ! Sonst endet das ganze über eine Rolle zur jeweiligen Seite in einem steilen Sturzflug und der bedingt durch Höhe, zumeist im Acker und man hat eben wieder ´ne Beule in der Nase mehr… Diese Erfahrung musste auch ich machen. Aus dem Sturzflug kommt man bei ausreichender Resthöhe, indem man „das Gas reinschiebt“. Bei diesem Abfangmanöver warf meine Ju das linke Fahrwerksbein ab…..! Ich war daraufhin etwas erstaunt und fortan bemüht nach 2 Fehlanflügen sie schön langsam auf dem Feldweg aufsetzen zu lassen, was auch gelang. Mittlerweile habe ich die Fahrwerksbeine alle mit Sekundenkleber gesichert. …

Das Landen an sich ist in der Anleitung wie folgt beschrieben: Bringen sie das Modell in etwa 3 Meter Höhe in Landerichtung, stellen sie den Motor ab und das Modell erledigt den Rest. Dieses Manöver ähnelt einem „Sarajevo-Approach“ der Transportflieger – und endete bei 3 Versuchen jeweils mit der bereits zitierten Beule an der Nase… Deswegen bevorzuge ich meinen eigenen Stil, indem ich mich schlichtweg mit dem Gas spiele bis ich eine Resthöhe von ca. 50 cm erreicht habe und das Modell dann zuletzt durchsacken lasse. Hier kommt es, das ist das schöne, mit einer glatten Dreipunktlandung auf dem Boden an.

Leider hatte ich seit dem Erstflug nur sehr wenig Zeit und bin nicht mehr allzu oft zum Fliegen gekommen. Dafür stand die Ju jedoch die meiste Zeit im Blickfeld und eines zum Fliegen zu windigen Abends schnappte ich mir Schleifpapier und nachdem ich die Balkenkreuz- und Nummern-Aufkleber entfernt hatte, schliff ich sämtliche Flächen, bis die mich sehr störenden Formstreifen nicht mehr so arg zu sehen waren. Weiter passte ich den Kunststoffkasten an der Unterseite ein und verschliff dessen Seitenwangen mit der Rumpfkontur. Danach verklebte ich ihn mit Tape bündig mit dem Rumpf. Mit dem Tape verstärkte ich auch sämtliche Flügelvorderkanten. Jetzt störte mich lediglich das untere offen verbliebene hintere Rumpfteil. In dieses paßte ich ein Stück Balsa ein und verklebte es überlappend mit einem Stück Paketband (günstig&leicht). Vielleicht werde ich die Cockpithaube im hinteren Teil abändern, da sie in ihrer jetzigen Form eher einer Bombervariante der Ju 88 ähnelt als einer späteren Zerstörerversion. Was ich jedoch schon im Rohteil zu Hause liegen habe, ist ein mit Sekundenkleber gehärtetes Spornrad aus gesperrtem Balsa (Drechselteil), denn das Plastikrad gefällt mir nicht.

Das hat aber alles Zeit, denn zunächst stand eine (leichtgewichtige) Lackierung an. Ich verwende dazu wasserlösliche Acryllacke, da sie zum einen gut zu verarbeiten sind und auch das Styropor nicht angegriffen wird. Ich habe mich für eine Farbvariante einer Ju entschieden, wie sie gegen Ende des Krieges an der Ostfront eingesetzt waren. Die Rumpfunterseite wurde dazu in einem Hellblau, die Tarnschemen auf den Oberseiten in zwei verschiedenen Grüntönen gepinselt. Dazu bekam sie an der Flügelunterseite gelbe Flügelspitzen und ein gelbes Rumpfband sowie mittels Masken aufgemalte Balkenkreuze und Kennungen. Letztere sind fiktiv, ebenso wie das noch folgende Geschwaderwappen. Die Zerstörervarianten hatten im übrigen, mindestens durch ein Foto belegt, die Nase in einer Weise bemalt, die den Glasbug einer Bombervariante vortäuschen sollte. Da mir dies gefiel, hat auch meine Ju eine solche Nasenbemalung.

Zum Schluss werde ich wohl noch das ein oder andere Kanülenröhrchen als MG-Lauf anbringen.

In der Summe erhält man mit wenigst Aufwand ein schönes Modell der Ju 88 das nicht nur gut fliegt sondern mit einigen Änderungen auch noch gut und seinem Vorbild ähnlich aussieht.

Für Fragen und Anregungen , bzw bei Beschaffungsfragen zu den Anbauteilen stehe ich gern zur Verfügung.

 

Erbauer: Uli Barth, 2003

 

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